80 Jahre Zeitgeschichte: Warum der Abschied von der Scheinzypresse erst der Anfang ist.
In der Berner Länggasse war sie über Jahrzehnte ein fester Fixpunkt: eine Scheinzypresse, 17 Meter hoch, rund 80 Jahre alt. Sie prägte das Quartier und begleitete Generationen von Menschen, die in ihrem Schatten gross wurden. Sie war einfach immer da – ein stiller, geduldiger Begleiter durch alle Jahreszeiten.
Doch Bäume sind lebendige Organismen, deren Lebenszyklus sich irgendwann vollendet. Die Diagnose Pilzbefall und Holzzersetzung am Stammfuss bedeutete Abschied – ein Moment, in dem das Quartier ein Stück seiner gewohnten Identität verlor. Doch für uns war klar: Dieser Abschied bot notwendigen Raum für das, was kommen durfte.
Handwerk mit Bedacht
Die Lage war anspruchsvoll: wenig Raum, angrenzende Gärten, dichte Bebauung. Hier brauchten wir keine groben Handgriffe, sondern höchste Konzentration und Ruhe. Mit spezialisierter Zugangstechnik trugen wir die Scheinzypresse Stück für Stück ab – ein Rückbau mit Respekt vor der langen Zeit, in der die Scheinzypresse an diesem Ort gestanden hatte. Jeder Handgriff sass, um das Umfeld zu schützen und den Weg für das Neue zu ebnen.
Ein leises Andenken
Nach Abschluss der Arbeiten sägten wir bewusst einige Scheiben vom Stamm ab und deponierten sie vor Ort. Es war ein kleiner Vorrat an Erinnerungen für die Eigentümerschaft, Nachbarn und Enkelkinder. Diese Stücke Natur machten den Übergang greifbar und bewahren die Geschichte der Scheinzypresse, während der Garten auf das nächste Kapitel vorbereitet wurde.
Zukunft pflanzen
Dort, wo die Scheinzypresse gestanden hatte, pflanzten wir im Frühling einen Tulpenbaum. Er ist jung genug, um hier optimal anzuwachsen und doch schon so gross, dass er die Lücke im Gefüge des Quartiers würdig zu füllen vermag.
Dieser Einsatz war für uns weit mehr als eine Fällung. Es war die Begleitung eines lebendigen Wandels. Die Geschichte der Scheinzypresse bleibt in den Herzen und im Holz bestehen – doch mit dem Tulpenbaum hat an diesem Tag eine neue Geschichte begonnen, die kommende Generationen begleiten wird.
Eine Fällung kann spektakulär wirken; wirklich spektakulär ist jedoch die Pflanzung des Baums für die Zukunft.




























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